Fenster zum Dschungel

2005-05-26 Nach sechs Naechten und sechs Tagen auf dem Boot bin ich nun seit gestern in Tabatinga, einer kleinen Statd an der Grenze zu Peru und Kolumbien, aber noch in Brasilien.

Ein Gesamturteil ueber meinen Bootstrip zu faellen, ist schwierig. Es gab Phasen, wo ich echt Spass hatte, aber auch Phasen, wo es echt superoede war.
Zu den guten Dingen gehoerte, dass ich schoen in meiner Haengematte liegen konnte, der Dschungel direkt an mir vorbeigezogen ist, man ab und an mal ein paar Tiere (hauptsaechlich Affen und Voegel) sehen konnte und ich schoen lesen konnte. Das "Highlight" waren vielleicht die Flussdelphine, die um unser Bott geschwommen und gesprungen sind. Die sieht man sonst auch auf extra organisierten Touren nur mit Glueck. Sie sind ca 1 Meter lang.

Das Boot hatte drei Etagen; unten schlief die Besatzung und dort lagerte die Fracht, in der Mitte die Passagiere und oben gab es einen Kiosk, wo man Bier, Cola und Chips kaufen konnte. Das Boot war eigentlich noch in einem guten Zustand.
Zuerst dachte ich, wir wearen ein Passagierschiff, das auch etwas Fracht dabei hat. Das war aber wohl ein Irrturm. Wir waren wohl hauptsaechlich ein Frachtschiff, dass die Staedte entlang des Amazonas mit Waren versorgt. Die Staedte haben naemlich ausser dem Fluss keine Verbindung zur Aussenwelt; Strassen gibt es dort nicht (auch hier in Tabatinga nicht, dafuer gibt es hier aber noch einen Flughafen). So mussen also alle Waren mit dem Schiff dorthin gebracht werden. Dementsprechend war unsere Ankunft auch immer eine riesen Attraktion. Insgesamt haben wir etwa 15 Stunden in "Haefen"  verbracht.
Die meisten der Staedte schienen dabei recht trostlos zu sein, ausser Amaturá, wo es echt nett war. Auch wenn das Warten in den Haefen teilweise etwas nervig war (bis zu 5 Stunden), so hatte es doch auch etwas gutes; man kam in Staedte, wo eigentlich nie ein Turist hinkommt und das war mal ganz interessant.  

Auf dem Boot hingen ca 50 Haengematten. Nach links und rechts hatte man ungefaehr einen halben Meter Platz. Privatsphaere war also gleich null. Die hygienischen Verhaeltnisse waren erstaunlich gut fuer die Umstaende.Geduscht und gewaschen wurde mit Flusswasser. Das Esen war eher bescheiden: zum Fruehstueck gab es immer Brot (so ene Art Hotdogbroetchen), Kaffe und eine supersuesse warme Milch. Mittags und Abends gab es Reis, Spaghetti und Fleisch. Nach sechs Tagen ist das etwas eintoenig :-)
Trinkwasser war staendig verfuegbar; es wurde aus grossen Kanistern in einen Automaten gefuellt, dabei aber, warum auch immer, durch ein T-Shirt gefiltert :-)

Die Zahl der Leute, mit denen ich wirklich sprechen konnte, war begrenzt auf einen Kolumbianer in der Hangematte neben mir, einen Peruaner und einen Franzosen (einen von drei andern Turisten an Bord), der spanisch sprach. Die anderen beiden Turisten waren auch Franzosen, sprachen aber kein spanisch. Der Peruaner konnte mir schon einiges ueber Peru erzaehlen. Er kam aus Iquitos, meiner naechsten Station. Dort werde ich ihn dann mal besuchen.

Am Samstag haben sich ein einige Typen zwei Flaschen Caschaça (das Zeug, aus dem bei uns Caipirinha gemacht wird) gekauft und sich damit zwei Abende Betrunken. Das war fuer die Stimmung an Bord und auch fuer meine Stimmung nicht dienlich. Einen Abend haben sie fast eine Schlaegerei angefangen untereinander, die der Kapitain verhindern konnte. Und sie wollten immer, dass ich mit trinke (wozu ich aber keine Lust hatte, warmer Caschaça schmeckt widerlich) und haben mich vollquatschen. In Deutschland nervt es ja schon etwas, von besoffenen vollgequatscht zu werden, wenn sie dann aber noch portugiesisch sprechen und man kein Wort versteht, nervt das noch mehr.

Das Wetter war zum Glueck nicht ganz so gut, es war oft bewoelkt, wodurch es auch nicht so heiss war. Geschlafen habe ich insgesamt nicht so viel, weil ich morgens immer schon um 6 Uhr wach war (dann gab es auch Fruehsteuck), aber da man sich tagsueber auch nicht anstrengen musste, war ich auch nicht wirklich muede.
Fotos vom Schiff und den Sonnenuntergaengen ueber dem Amazonas gibt es spaeter.

Insgesamt war die Tour aber echt ein Erlebnis und wenn ich noch mal die Wahl zwischen dem Speedboot und diesem haette, wuerde ich wieder diese Tour machen.

Saludos,

            Sebastian

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