Geschichten vom Boot

2005-05-26 Dadurch, dass auf dem Boot jede Privatsphaere fehlte, konnte ich mir das "Leben" der anderen schoen anschauen.

Besonders schoen konnte man den "Maschismo" beobachten. Eine Nacht war ein junges Maedchen, vielleicht 17 Jahre alt, an Bord. Als sie sich zum schlafen in ihre Haengematte gelegt hat, wurde sie direkt nacheinander von zwei ueber 40-jaehrigen, dickbaeuchigen Maennern aufs haefstigste bedraengt. Weder, dass sie sich gewaehrt hat, noch mein Einwand, dass sie das vielleicht nicht will, hat die Typen gestoerrt. Im Gegenteil, es hat sie eher angespornt. Sie haben versucht sie zu streicheln und zu kuessen. Dabei haben sie immer zu mir rueber gegrinst und sich gefuehlt wie die Grossen.

Noch schlimmer wurde es, als in einem Hafen eine noch juengere an Bord kam. Bei ihr waren teilweise drei Maenner gleichzeitig dran. Sie hat sich aber auch nicht gewaehrt. Ich war mir nicht sicher, ob es eine Prostituierte war. Der eine von den eben erwaehnten typen ist dann auch mit ihr im Bad verschwunden und kam stolz grinsend wieder heraus.

Etwas nervig war eine "Tussi" die zwei Haengematten neben nmir lag. Schon am ersten Tag hat sie mir erzaehlt, dass sie mich liebt und ein Kind von mir will mit blauen Augen. Das ging dann die ganze Zeit so weiter und wurde echt nervig. Sie hat dann immer irgendwelche Witze mit oder ueber mich gerissen, ueber die alle umhersitzenden gelacht haben, die ich aber nicht verstanden habe, weil sie Portugiesisch geredet hat. Zum Glueck ist sie am Samstag ausgestiegen.
Nachher habe ich erfahren, was sie so rumerzaehlt hat: Ich hatte es mit ihr auf dem Klo getrieben und sie wurde jetzt ein Kind von mir bekommen. Und frei nach Lothar Matthaeus: "Unser Weisser hat so einen langen".
Sie hatte noch eine kleine Tochter dabei, die mir wegen ihrer Mutter leid tat, die aber leider genauso nervig war wie ihre Mutter.

 Einer der Mitreisenden, vielleicht so 20 Jahre alt, hat sich abends immer eine lange Hose und seine Lederschuhe angezogen, was schon ungewoehnlich war. Tagsueber hat er dann immer in fremden Haengematten geschlafen. Am zweiten Tag habe ich dann gemerkt, dass er sich keine Haengematte leisten konnte und daher Nachts immer auf dem kalten Eisenfussboden geschafen hat.

Ein Polizist ("mit Auto und Pistole") war auf ploetzlich sehr nett zu mir, nachdem er meine Digitalkamera gesehen hat und mich nach dem Preis fuer ein Flugticket nach Deutschland gefragt hat. Danach hat er mich wohl fuer sehr reich gehalten und hat mich immer angegrinst. Irgendwann kam er dann an und wollte, dass ich ihm einen ausgebe und wollte ein Foto mit mir und seiner Familie. Er sprach aber nur portugiesich und daher habe ich so getan, als ob ich ihn nicht verstehe.
Als ich dann in einem Gespraech mit dem Kolumbianer, das er mitgehoert hat, eingeworfen habe, dass ich ein armer Student bin, hat er das Grinsen wieder eingestellt und wollte auch kein Foto mehr. Irgendwie hatte ich das gefuehl, dass er mit dem Foto irgendwas vor hatte.

In Manaus hatte ich mir noch eine Tuete Modellierballons gekauft und konnte damit sowohl mich als auch die Kinder an Bord fuer einige Zeit beschaeftigen. Ein andere grosser Renner an Bord war mein Monokular, dass sich die halbe Mannschaft und einige der Passagiere gelihen haben, um damit den Urwald zu beobachten. Alle wollten wissen, was es gekostet hat, aber da es ein Werbegeschenk war, hatte ich keine Ahnung.

Unten gibts noch ein paar Fotos von meiner Kreuzfahrt.


Bilder meiner Kreuzfahrt

Carlos, vor der "Skyline" von Manaus
Carlos, vor der "Skyline" von Manaus Blick aus meiner Haengematte Sonnenuntergang am Amazonas Unser Boot Amaturà Anelie Haengematten auf dem Boot
 

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