Der Amazonas in einer Nussschale

2005-05-30 Wie geschrieben, hatte ich mich gefreut, noch ein Ticket fuer das "Rapido" von Tabatinga nach Iquitos in Peru bekommen zu haben. Also bin ich am Freitag um 3:30 Uhr aufgestanden, um 4 Uhr sind wir dann mit einem kleinen Boot zum anderen Ufer des Amazonas nach Santa Rosa gefahren, wo das Rapido dann gegen 4:30 losfahren sollte. Nur dummerweise sprang der Motor nicht an. 

Also ist einer der beiden Fahrer mit einem Hammer nach hinten zum Motor gegangen und hat kraeftig davor geschlagen. Geholfen hats natuerlich nichts. Dann haben sie drei neue Batterien eingebaut, was auch nichts geholfen hat. Dann kam jemand, der wohl etwas mehr Ahnung hatte und hat den Motor zum laufen bekommen. So gegen 7 Uhr sind wir dann losgefahren.

Das Boot war so klein, dass ich nicht aufrechtstehen konnte und die Sitze super unbequem. Der Motor war so laut, dass man sich nur durch Schreien unterhalten konnte. Dafuer haben wir dann auch 13 statt der angekuendigten 10 Stunden gebraucht.
Mit an Bord waren noch drei Oesterreicher. Der Alois, eine Frau, die hier in Iquitos lebt und Sylvia, die zwei Jahre fuer die Jesuiten im Grenzgebiet zwischen Brasilein, Peru und Kolumbien arbeitet.

Endlich in Iquitos angekommen, standen ungefaehr 40 Fahrer von Motocarros um unser Boot und haben uns bedraengt wie die Schmeissfliegen, so dass wir kaum aussteigen konnten.
Sylvia kannte hier einen Kanadier, der als Missionar hier arbeitet. Er wohnt zusammen mit 7  Kanadierinnen, die auch alle als Missionare arbeiten (es sind keine Priester oder Nonnen, sondern einfach Jugendliche, aus Quebec, die hier ein freiwilliges soziales Jahr machen).
Netterweise konnte ich auch eine Nacht bei denen schlafen. Ich hatte auch noch laenger bleiben koennen, aber mein Zimmer war direkt an der Strasse und oben irgendwie offen, so dass ich schon um halb sechs wach war. Das hatte aber auch sein Gutes, so konnte ich meine Sachen noch halbwegs vor dem Wasser retten, dass aus den durch den starken Regen uebergelaufenen Regentanks in mein Zimmer gelaufen war. Gluecklicherweise ist nichts nass geworden, was nicht wieder troknen konnte. Daher habe ich mir am naechsten Tag ein Hotel gesucht, um mal wieder ausschlafen zu koenne. Wobei das mit dem Ausschlafen auch so eine Sache ist. Ich habe so lange ich hier bin noch nicht laenger als bis acht Uhr gepennt, meistens nur so bis 7 Uhr. Ueber das anstrengende Leben eines Reisenden werde ich mal irgendwann mehr schreiben. Wie hat der Kanadier, den ihc in Manaus getroffen habe gesagt: "Leute, die Urlaub machen, unterhalten sich ueber ihr Hotel, Menschen, die verreisen, unterhalten sich uebr ihre Probleme."
Wer noch einpaar inetressante Geschichten oder Fotos sehen will, kann das auf der Homepage von Andrew tun.

Gestern Abend war ich dann hier im Kino. Star Wars 3. Ich dachte, er waere auf Englisch mit Spanischen Untertiteln, was gut zum lernen ist. War aber auf Spanisch, so dass ich es nur begrenzt verstanden habe. Mitten im Film war fuer 20 Minuten der Strom im kompletten Kino ausgefallen.
NAch dem Kino war ich dann noch mit den Kanadierinnen (aber ohne Sylvia) auf einem Konzert. Die Gruppe hiess "Kaliente" (warm), sie sind hier in Iquitos eine lokale Groesse. Sie machen Merengue-Musik. Wenn es wenigsten 27 Grad warm ist, kann man das gut hoeren. Sie hatten einen, der gut singen konnte und zum Glueck auch die meistens gesungen hat. Die Backgroundtaenzerinnen hatten extrem wenig an und konnten auch gut tanzen, aber nicht miteinander :-)
Die kannadierinnen, alle so Anfang Mitte 20, wurden natuerlich heftigstens "umworben" um nicht zu sagen bedraengt von der Dorfjugend. Als "weisse" Frau hat man kein einfaches Leben hier :-)
Solche Partys gibt es jedes Wochenende hier und ich muss sagen, dass es eine sehr entspannte und froehlich Stimmung war. Und das peruanische Bier schmeckt auch ganz gut. Es gibt hier 620 ml Flaschen (fuer ca 0,75 Euro), da hat man noch was in der Hand.  

Irgendwann bin ich dann mit einem Motocarro nach Hause gefahren. Motocarros sind Motorraeder mit drei Raedern und einer BAnk fuer zwei bis drei Personen. Es wimmelt hier nur so dacon, da es auch hier fast keine Autos gibt. Iquitos ist die groesste Stadt der Welt, die nur per Schiff oder Flugzeig zu erreichen ist.
Einerseits sind sie sehr praktisch, weil sie einen fuer 25 Cent ueberall hin fahren, andererseit fahren sie wie die bekloppten, was das Leben als Fussgaenger gefaehrlich macht. Dafuer kann ich in meinen Flip-Flops jetzt sogar rennen.

Mit den Flip-Flops ist das auch so eine Sache. In Brasilien und Venezuela wurde ich mitleidig angeschaut, weil ich bei den Temperaturen mit Turnschuhen oder sogar mienen Wanderschuhen rumgelaufen bin. Alle anderen hatten Flip-Flops. Jetzt habe ich auch welche, und hier laufen alle in Turn- oder Lederschuhen rum. Gestern auf dem Konzert waren die kanadierinnen und ich fast die einzigen, die Flip-Flops anhatten. 

So, dass reicht erstmal, spaeter mehr aus Iquitos mit einigen Fotos.

Saludos,

                    Sebastian

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