Du hast schoene Augen

2005-06-05 Gestern bin ich nach Kuelap gefahren, einer alten Festung aus der Pre-Inka Zeit. Der Weg dorthin war mal wieder sehr holperig. Die Festung selbst war sehr beeindruckend. Sie liegt oben auf einem Berg, ist aber auch aus neher Entfernung kaum zu erkennen.

In der Festung ist noch alles recht wild. Alles ist voll mit Baeumen und Moos. Man denkt, dass jeden Moment Indiana Jones aus irgendeiner Geheimtuer gesprungen kommt.
Leider ist Kuelap noch nicht so bekannt und daher gibt es dort kaum Turisten. Wir waren die einzige Gruppe.
In unserer Gruppe war ein 11-jaehriges Maedchen aus Peru, dass schwer begeistert war von meinen blauen Augen. Sie hatte es sich, warum auch immer, zur Aufgabe gemacht, auf mich aufzupassen. Sie hat gefragt, ob ich Hunger haette und hat mir von ihren Plaetzchen gegeben. Und bei holprigen Stellen hat sie aufgepasst, dass ich auch nicht Stolper.
Sie war fuer ihre 11 Jahre recht intelligent und hat die Feststellung gemacht, dass es schade ist, dass ich aus Europa kommen kann und bald soviel von Peru kenne, die Perunaer selbst aber meist nur ihr Heimatort und Umgebung kennen.
Da ist leider was dran, kaum ein Peruaner kennt etwas von seinem Land. Daher erzaehle ich auch keinem "Einheimischen", dass ich noch bis nach Feuerland will und erst Ende des Jahres nach Deutschland zurueckfliege. Fuer die Leute hier fliege ich Anfang Juli zurueck. Eine 8 monatige Reise ist fuer die meisten hier unvorstellbar.
Auf dem Rueckweg haben wir dann noch angehalten, um Meerschweinchen zu Essen; da habe ich mich aber angesichts der holprigen Serpentinen, ueber die wir noch drei Stunden zureuckfahren mussten zureuckgehalten Ich will es aber nochmal probieren.
Stattdessen habe ich mit zwei Maedchen etwas Volleyball gespielt. Mitten in den Bergen in einem 100 Seelenort hatten die einen richtigen Volleyball.

Abends waren wir (eine Englaenderin und ein kroatisches Fernsehteam aus unserer Gruppe) noch beim Festival de Danzas. Das war eine Mischung aus Folkloretanz und Theater, das von Gruppen aus der Umgebung von Chachapoyas aufgefuehrt wurde. Es war herrlich anzusehen. Die Musik war wie die, die die Indiogruppen bei uns in der Fussgaengerzone spielen.

Gefruehstueckt habe ich heute mit einem Schweizer, der seit 2 1/2 Jahren durch die Welt reist. Zuerst Afrika, dann Asien und jetzt Sued- und Mittelamerika. Er war Bauer und nachdem sich seine Frau von ihm getrennt hat, hat er seinen Hof vermietet und reist von der Miete durch die Welt. Als er losgefahren ist, hat er nur Deutsch gesprochen, jetzt kann er ein paar Brocken Englisch. Er hat von Manaus den gleichen Weg genommen wie ich, nur hat er es irgendwie ueberall uebler erwischt.
Auf seinem Boot von Manaus nach Tabatinga war es so voll, dass die Haengematten sogar uebereinander hingen und bei dem Schnellboot, wo ich schon 13 Stunden gebraucht habe, hat er 16 benoetigt. Und bei der Strassensperre wegen des Streiks musste er 9 Stunden warten.
Also habe ich es scheinbar bisher immer noch gut erwischt. 

Heute bin ich dann Richtung Ecuador gefahren und bis Jaen gekommen. Die Verbindungen sind hier etwas schwierig. Es gibt keine Busse, sondern nur Sammeltaxis.
Der Fahrer war mal wieder ein Traum. Als wir losgefahren sind, hat er schon die ganze Zeit gegaehnt. Irgendwann hat er mir dann erzaehlt, dass er schon seit drei Uhr morgens faehrt. Da war es 14 Uhr. Er meinte, er waere Hundemuede und hatte Hunger, weil er keine Zeit zum Essen gehabt haette. Dann hat er mir eine Stelle gezeigt, wo letzte Woche ein Taxi verunglueckt ist, weil der Fahrer eingeschlafen war. Aber niemand ist gestorben :-) Dummerweise ging es rechts neben der Strasse naemlich recht steil bergab. Als er dann noch ausgestiegen ist, um seinen Kopf unter kaltes Wasser zu halten, habe ich beschlossen, mehr mit ihm zu reden.
Ich musste so Fragen beantworten, wie ob ich an Gott glaube und ob Pizarro in Bayern gut spielt. Pizarro ist hier das Lieblingsthema, wenn sie hoeren, dass ich aus Deutschland bin. 
Nachdem dann irgendwann eine Frau ausgestiegen ist, um sich zu uebergeben, und wir dem Fahrer noch bescheinigen mussten, dass er zwar schnell, aber sehr sicher gefahren ist, sind wir dann zum Glueck nach 2 1/2 Stunden heile angekommen.
Verabschiedet hat er sich mit den Worten: "Schade, dass wir schon da sind, jetzt wo wir Freunde geworden sind"

Morgen schaffe ich es dann hoffentlich bis Ecuador.

Saludos,

                    Sebastian

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