Puffbesuch
Seit meinem letzten Bericht habe ich viel Zeit im Bus verbracht und schon wieder drei Grenzen ueberquert. Zuerst bin ich von Salta nach Asuncion in Paraguay gefahren, von dort nach Brasilien zu den Iguazuwasserfaellen und dann zurueck nach Argentinien, nach buenos Aires.

Von Salta aus bin ich nach Asuncion in Paraguay gefahren, was insgesamt 20 Stunden gedauert hat. Das ist der Nachteil an Argentinien, dass die Distanzen riesig sind und man viel Zeit im Bus verbringt. Die Busse sind zwar recht bequem, dafuer aber auch recht teuer. In Bolivien habe ich pro Stunde Fahrt ca 50 Cent bezahlt, hier sind es zwei Dollar.

Asuncion schien nach der Beschreibung in meinem Reisefuehrer recht nett zu sein, und das war es vielleicht auch mal, aber vor 20 Jahren. Jetzt ist alles leider etwas runtergekommen und zugemuellt. Dafuer hat es die hoechste Mercedesdichte, die ich bisher hier in Suedamerika gesehen habe und es ist erstaunlich teuer. Die Waehrung heisst Guarani und man braucht 7000 fuer einen Euro. Diese hohen Betraege verwirren mich immer etwas. Als ich am Geldautomaten stand und 700 000 eingetipt habe, musste ich erst noch mal auf abbrechen druecken und ueberlegen, ob das auch stimmt. In Asuncion war ich dann auch nur eine Nacht und bin dann nach Foz do Iguazu weitergefahren.

Nachdem ich bisher recht wenig mit Deutschen zu tun hatte, habe ich in Foz im Hostel gleich sieben sehr nette getroffen. Vier Maedels, die in Brasilien ein Auslandssemester machen und von denen eine aus Waltrop kam und ein Vater mit seinen zwei Soehnen. Da wir eine rein deutsche Gruppe waren, konnten wir die ganze Zeit Deutsch sprechen, was mal wieder sehr angenehm war.
Zuerst haben wir uns die brasilianische Seite angeschaut, die im Moment vielleicht nicht ganz so interessant ist, da der Fluss Parana z. Zt. 8x soviel Wasser fuehrt wie normal und man daher die Faelle durch die ganze Gischt nicht so gut sieht. Trotzdem sind sie echt beeindruckend und schoen. Das gute an der Gischt ist allerdings, dass ueber den Faellen Regenboegen entstehen und der Regen am Morgen auch nicht so gestoerrt hat, da man eh nass geworden ist.
Die Argentinische Seite ist vielleicht durch die ganzen Wassermassen noch beeindruckender als sonst. Eleanor Roosevelts Kommentar war, als er die Iguazuwasserfaelle gesehen hat: "Poor Niagara". Am besten schaut ihr euch die Fotos an, auch wenn sie nicht diese ganze Groesse und die Gewalt, die das Wasser hat, wiedergeben koennen.

Von Foz aus bin ich dann nach Buenos Aires gefahren. BsAs ist echt eine Tolle Stadt, die mit Abstand beste, die ich bisher hier gesehen habe. Man merkt den italienischen Einfluss (30% der Einwanderer waren Italiener) sehr stark. An jeder Ecke gibt es kleine Cafes, Bars und Restaurants, es gibt sehr schoene Haeuser, edelste Einkaufspassagen, wie man sie auch in Europa nur schwer findet, die  Menschen sind sehr gut gekleidet (ich musste in Salta 10 Euro in eine Jeans investieren, da ich mir auf die Dauer in meinen Wanderklamotten zu schaebig vorkam zwischen all diesen gut gekleideten Menschen :-) und das Leben scheint sehr entspannt zu sein. Trotz der 12 Millionen Einwohner wirkt die Stadt nicht wie eine typischer suedamerikanischer Grossstadtmoloch.
Natuerlich gibt es auch hier die unschoenen Seiten, aber auch in HH ist ja nicht alles so schoen wie in Horn :-) Gestern bin ich am Hafen gewesen und da kamen zwei einheimische Meadels und meinten nur "dangerous, dangerous" und dass ich besser nicht dort rumlaufen sollte. Aber auch dass war interressant zu sehen.
Es gibt hier auch eine gut funktionierende Muelltrennung. Aber leider sieht die so aus, dass die ganzen Armen abends zwischen riesigen Bergen von Muellhaufen sitzen, die Tueten oeffnen und alles sortieren, um es dann fuer einpaar Centavos zu verkaufen.
Die Menschen auf der Strasse sind ueberaus freundlich. Man merkt irgendwie noch, dass Argentinien mal eines der reichsten Laender der Welt war. Es gibt sehr schoene Gebaeude und die Menschen scheinen ihre relative "Armut" zu verdraengen und sich noch immer reich zu fuehlen.
Die groessten wirtschaftlichen Probleme sind anscheinend auch ueberwunden und es herrscht wieder ein gewisser Optimismus, ich habe jedenfalls noch nie soviele Schwangere gesehen wie hier in Argentinien.

Gestern hat mich auf der Strasse eine Frau angequatscht und wollte mir einen Flyer von einer Tangoshow geben; ich sollte nur kurz mitkommen, weil sie noch ihren Namen auf den Flyer schrieben muesste. Da kam mir zwar schon komisch vor, aber ich bin mal mitgegangen. Wir sind dann in ein Haus rien und die Treppe hoch und ploetzlich stand ich zwischen 10 sehr knapp bekleideten "Damen", von denen eine gleich aufsprang, um mich solange zu "beschaeftigen". Ich habe dann dankend abgelehnt und bin wieder gegangen. Das war nicht mein einziges "erotisches" Erlebnis in den letzten Tagen: In Chile waren wir  mit einigen Leuten aus dem Hostel was trinken und mir gegenueber sass ein Kanadier, der etwas Deutsch sprach. Irgendwann fing er dann an, staendig meine Hand zu taetscheln. Das ganze gipfelte dann in den Saetzen "ich liebe Deutschland und die Deutschen" und "die Deutschen waren nicht Schuld an Adolf Hitler". Ich habe dann schnell den Platz gewechselt. 

Am Donnerstag war ich mal wieder im Balett. Ich bin zwar nach meinem ersten Balettbesuch in Bolivien nicht zum Balettfan geworden, aber BsAs hat eines der angeblich schoensten und groessten Opernhaeuser der Welt und das wollte ich mir mal ansschauen. Ich kenne zwar nicht soviele Opernhaeuser, aber das Teatro Colon ist schon sehr schoen und mir 3000 Plaetzen auch wohl recht gross.
Auch dort waren natuerlich alle bestens gekleidet, so dass ich mit meinem Che Guevara T-Shirt und meinen roten Chuks etwas aus der Menge herausstach; aber es war das Beste, was ich habe.
Auch im Kino war ich hier schon und habe "Die fetten Jahre sind vorbei" auf Deutsch gesehen. Da es hier in BsAs schlappe 140 Kinosaele gibt, siejt man nicht nur die Blockbuster, sondern auch unbekanntere und auslaendische Filme. Noch etwas, was ich an dieser Stadt liebe.

Eigentlich wollte ich von hier einen Abstecher nach Montevideo machen, aber entweder dauert es acht Stunden im Bus fuer 30 Dollar oder es kostet 40 Dollar und dauert 3 Stunden mit dem Boot. Das ist mir beides zu teuer und zu lange. So wird Uruguay neben den Guayanas das einzige Land bleiben, das ich nicht besuche in Suedamerika; aber ich komme ja nochmal wieder.
Mit den Entfernungen ist das hier eh so eine Sache, eigentlich wollte ich auch von Foz do Iguazu ins Pantenal fahren, das groesste Feuchtgebiet der Erde, in dem man gut Tiere beobachten kann. Es sah auf der Karte auch nicht so weit aus, aber es waeren hin und zurueck jeweils 16 Stunden gewesen; also habe ich es geknickt.

Heute war das grosse Lokalderby zwischen Boca Juniors und River Plate. Eigentlich wollte ich es mir anschauen, war aber leider ausverkauft. Hier sind echt alle fussballverrueckt; die drei wichtigsten Sportarten scheinen Fussball, Fussball und Fussball zu sein. Und ueber allem schwebt der Mythos Maradona. Gestern habe ich mir das Stadion von den Boca Juniors angeschaut und dort gab es ein T-Shirt mit der Aufschrift "Der Papst ist Deutscher, aber Gott ist Argentinier: Diego Maradona."

Jetzt muss ich ins Bett, weil ich mich etwas krank fuehle,

saludos, Sebastian


Bilder aus Bs As

Galerias Pacifico, eine Einkaufspassage in Bs As
Galerias Pacifico, eine Einkaufspassage in Bs As Teatro Colon
 
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