Die Entdeckung der Langsamkeit
Die 42 Stunden Busfahrt von El Chalten nach Bariloche waren schneller rum als erwartet, aber trotzdem scheisse. Die Klimaanlage funzte nachts super, so dass man gefroren hat, tagsueber, als es durch die Sonne ordentlich heiss war, ging sie ploetzlich gar nicht mehr. Zum Schluss der fahrt hatte man das Gefuehl zu ersticken, weil der Bus voll war, aber ueber Stunden keine frische Luft mehr in den Bus kam.

Die Bsufahrer waren ziehmliche Arschkrampen (ich glaube einer hat mir mein Messer geklaut, das aussen am Rucksack hing) und der Videorecorder war angeblich kaputt, so dass wir die ganze fahrt ueber keinen Film schauen konnten.

Auf der Fahrt haben wir ein deutsches Ehepaar kennengelernt, die seit sieben Jahren um die Welt segeln. Sie haben ein paar nette Geschichten aus ihrem Seglerleben erzaehlt.
In Bariloche haben wir uns dann mal Fahrraeder geliehen, weil wir beide keine Lust mehr hatten zu laufen. Man kann dort ganz schoen um die Seen fahren (Bariloche liegt im Lakedistrict von Argentinien), aber leider gab es teilweise recht viel Verkehr auf den Strassen.
Was hier in Argentinien noch besser ist als sein Ruf ist das argentinische Steak. In El Chalten hatrten wir einen Abend ein Steak, das war einfach nur ein riesen Bollen Fleisch, bestimmt 400 bis 500 g schwer und so zart, dass man es fast durchdruecken konnte. Und ich weiss nicht, was die argentinischen Rinder anderes fressen, aber es schmeckt einfach nur geil; vielleicht liegt es auch daran, dass es nicht ueber Kohle sondern ueber gluehendem Holz gebraten wird. Selbst in dem teuren El Chalten gab es das fuer sieben Euro. Serviert wird es ohne alles, nur pures Fleisch.
Fuer einen Argentinier ist ein Tag ohne Fleisch nicht moeglich.
Das Andere, ohne das die meisten Argentinier nicht koennen ist ihr Mate. Ein teeaehnliches Getraenk. Man sieht die Leute ueberall mit ihren Matebaechern und einer Thermoskanne zum auffuellen der selbigen rumlaufen; und ueberall kann man warmes Wasser kaufen. Manche scheinen von ihrem Mate so abhaengig zu sein, wie die grauen Maenner bei Momo von ihren Zigarren, ohne Mate zerfallen sie zu Staub.
Was noch bei vielen Argentiniern auffaellt, besonders in den waermeren Gegenden, ist, dass sie sich extrem langsam bewegen koennen. Daher steht man im Supermarkt an der Kasse oder der Kaesetheke schon mal ewig an, obwohl es gar keine Schlange gibt.
An der Grenze bei Puerto Natales dachte ich erst, dass der Zoellner, der die Stempel in die Passe gemacht hat, mich verarschen wollte, er hat sich fast in Zeitlupe bewegt; so etwas bekommt man glaube ich nur nach jahrelangem ueben hin. Aber ich habs ja selten eilig hier.

Seit Sonntag bin ich jetzt in Mendoza, dem bekanntesten Weinanbaugebiet Suedamerikas. Ausser der Besichtigung einer Winzerei haben wir aber nicht viel gemacht, weil wir mal etwas entspannen mussten nach dem schnellen Reisen durch Patagonien. Philipp, mit dem ich jetzt fast 6 Wochen zusammen gereist bin, ist heute schon anch Santiago gefahren, weil er Freitag von dort zurueck Fliegt.
Der Bogen, den wir durch Patagonien gemacht haben, war echt sehr cool, es gab auf jeden Fall viel interessantes zu sehen. Allerdings beschraenken sich die interessanten Dinge meist auf die Andenregion, der Osten ist eigentlich nur flache Steppe und nicht so spannend.
Patagonien ist nach der Phase des Backpacker-Turismus mitlerweile in der Phase des Luxusturismus angekommen (ich glaube ich hatte mich ja schon mal darueber ausgelassen, das die schoenen Gegenden zuerst von Backpackern, dann von Luxusturisten und dann vom Massenturismus besucht werden). Wenn man genug Kohle hat, kann man bequem von einer Attracktion zu anderen fliegen und in sehr guten und teuren Hotels wohnen, die es ueberall gibt. Mal schauen, ob der Massenturismus dort jemals ausbricht.

Harald Schmidt hat mal nach seiner Auszeit im Spiegelinterview gesagt: man merkt, dass man den Urlaub beenden muss, wenn man um 11 Uhr morgens anfaengt, Bier zu trinken. Demnach naehere ich mich langsam dem Ende meines Trips an. Ausserdem lassen auch meine Klamotten keine sehr lange Reise mehr zu, mein Rucksack hat einen Schaden, meine Schuhe loesen sich auf, und auch meine Hosen und Socken sind kaputt. Und es macht mir seit ein paar Tagen keine Angst mehr, wenn ich an deas Ende meiner Riese denke.
Daher habe ich gestern meinen Rueckflug nach Deutschland gebucht. Wenn alles glatt geht, bin ich am 24.12. um 17:35 Uhr wieder in Duesseldorf; wenn nicht, feier ich Weihnachten auf einem Flughafen. Vielleicht auch mal ne gute Erfahrung :-).
Heute habe ich dann versucht, einen Flug nach Mexico zu bekommen und bin fast verrueckt geworden. Erstmal ist es eh viel teurer, als ich das vorher gedacht habe und reist damit ein ordentliches Loch in mien nicht mehr vorhandenes Budget. Aber auch diese Reisebuerotypen sind der Hammer. Ich weiss nicht in wievielen Reisebueros ich war, aber ich habe fuer den gleichen Flug mit der gleichen Gesellschaft am gleichen Datum alles von 550 Dollar bis 1000 Dollar und "ausgebucht" gehoert. Und dann wieder die langsamen Bewegungen, was alles in die Laenge zieht.
Wahrscheinlich fliege ich jetzt von La Paz aus nach Mexico, so kann ich noch mal in mein geliebtes Bolivien zurueck. Mein einziges Problem ist nur, das ich befuerchte, dass meine "bolivianischen Freunde" mal wieder die Strassen dicht machen aus irgendeinem Grund. Eigentlich sollten naemlich am 4 Dezember Wahlen sein, aber die sind schone wieder verschoben. Und die Provinz, von der aus ich fliege (ich habe noch einen Inlandsflug von La Paz nach Snata Cruz) will sich gerade fuer unabhaengig erklaeren. Aber ich verbringe lieber die letzten Tage in Bolivien, wei ich den Sueden noch nicht kenne und es dort wieder schoen billig ist. Schaun mer mal.

Morgen fahre ich noch mal rueber nach Santiago und schau mir die Stadt mal an. Ob ich dann durch Argentinien oder Chile nach Bolivien fahre, weiss ich noch nicht. Eigentlich wollte ich in Argentinien hochfahren, aber gerade hat mir ein Israeli, den ich noch aus San Pedro kenne und der zufaelliger Weise neben mir am Rechner sitz ein paar Tips fuer den Norden Chiles gegeben.

Also, mal schauen, von wo ich das naechste Mal schreibe.

Saludos,

Sebastian

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